Als wir an einem schoenen Donnerstagnachmittag auf der sonnigen Dachterrasse sassen und Milchkaffee getrunken haben, Muesliriegel gefuttert und Weihnachtskarten fuer die Kinder gemalt haben erreichte uns der Anruf von Ram. (unser Gastbruder)
Er wolle uns etwas interessantes zeigen und uns einladen mit ihm zu einer Freundin zu fahren, die von einem spirituellen Doktor geheielt werden solle. (..klingt doch wirklich interessant oder nicht?!)
Also weg die Karten, ausgetrunken der Kaffe und ab zu Ram und mit ihm in den Bus nach down town. Angekommen hatten wir den Dokotor leider verpasst und mussten uns mit Duennkaffe und Keksen (sehr lecker!) zufriedengeben. Puenktlich nach der anschliessenden Geburtstagsfeier ( wieder zurueck in Budhanilkantha) von Mim Lals Neffen und mit sehr viel zu Essen, ging es dann um 19:00 Uhr mit dem Motorrad, ohne Helm, mit einer heiden Angst und 70 Sachen durch Kathmandu zurueck zur "Abendvorstellung". Diesmal nicht mehr ganz so gut gelaunt, Ram und sein Bruder hatten uns vorher nochmal ein paar Einzelheiten ueber die Austreibungszeremonie und den damit verbundenen Zustand der Frau erzaehlt, kamen wir rechtzeitig im Haus der kranken an. Sie hat, so die Angehoerigen, boese Geister in ihrer Seele, die es nun gilt herauszutreiben. Seit 10 Monaten liegt sie im Bett, isst fast nichts, kruemmt sich spastisch und hat bereits 20 Kilo abgenommen, die Aerzte in den Krankenhaeusern von Kathmandu sind ratlos. Was nun nur noch helfen kann ist der "magic man".
Eingeschuechtert haben wir die Frau klagend, krampfend und weinend auf ihrem Bett empfangen, die selbe Frau, mit der wir am Nachmittag normal geredet haben. Der Grund fuer ihre Veraenderung, so Ram, war der anwesende "Arzt", der bestimmte Geister beschwor. Zu Beginn der eigentlichen Zeremonie wurde die Patentin in den Keller (der Raum wirkte wie eine Abstellkammer mit Bett) gebracht und vor den Meister auf eine Matte gelegt. Alle Zuschauer (Familie, Ram, Rams Bruder und wir) sassen eingeengt auf dem Bett im Neon- und Kerzenschein (..es war mal wieder Stromausfall..) und Raeucherkerzenqualm. Die erste Stunde verging damit, dass der Meister Woerter murmelnd, singend, auf einen Messingteller trommelnd und mit seinen Gloeckchen klingelnd vor uns sass und immer weiter in eine andere Sphaere abtriftete, bis er letztlich vollkommend zittern und im Schneidersitz huepfend vor uns schwitzend in Extase geriet. (wir sassen in 5 Schichten gewickelt da..) Als er seinen Hoehepunkt erreichte (lauter sang und pfiff und staerker noch zitterte) biss er in eine einmeter hohe Messingkanne, gefuellt mit Wasser und sprang, sie im Mund haltend auf, um in die anderen Zimmer zu hasten und den Geist zu toeten(?). Anschliessend hat er sich brennende Dochte in den Mund gestopf und dann kam der Strom wieder und bald darauf war er fertig, hat uns erzaehlt, dass er bei der Armee ist und nun wuesse, welcher Geist die Frau belagert. Naechste Woche wird er dann gegen ihn vorgehen.
Die Kranke hat die Zeit ueber abwechselnd geschrien, geweint, sich gekruemmt, verkrampft und Namen gerufen. Ihr Mann hatte aller Hand zu tun, um sie festzuhalten.
Besonders schlimm war das Ganze fuer die zwei Toechter und den kleinen Sohn.
Unsere Angst hatten wir bald verloren, als der dicke Bruder von Ram Witze machte, die anderen mit den Handys spielten (..wie immer alle hier, sogaar bei der Hochzeitszeremonie...) und die Einladung fuer die naechste Zeremonie kam, bei welcher der Meister ueber brennende Steine laufen will....
Ohne den schrecklichen Anblick der Frau haette das Ganze eine gute Zirkusnummer abgegeben.
Nach der Zeremonie (Pusha), beim anschliessenden Tee, war die Frau wieder normal und konnte mit uns reden. Sie hat sogar gelacht, als wir betreten gefragt haben, ob es ihr nun besser gehe.
Nachdenklich ging es mit dem "Bike" zurueck, in Erwartung auf Sonntag Nacht, wenn die naechste Vorstellung vielleicht auf uns wartet.
Morgen werden wir mit Ram in die Kirche gehen und nach Bodhnat fahren, um weiter nach einem Mandalakurs zu suchen. Ausserdem fahren wir vielleicht nach Thamel (Weihnachtsgeschenke), weil die Strassen von Sonntag bis Mittwoch wegen Maoistenstreiks gesperrt werden. (Handgreiflichkeiten,...)
Liebe Gruesse, die von-boesen-Geistern-verschonten Jule und Sophie
...muuuuahhhhh...
Donnerstag, 17. Dezember 2009
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